Ein kleines Stück Prosa zum neuen Frühling hin, inspiriert durch einen Wortwechsel auf Verzichtsverzicht.
Spät ist es, rasch fährt Jay durch tiefe, dunkle Täler der Rezession und im Aufschwung inbegriffen durch lichte Höhen in seinem Coupe SL. Entspannt sitzt er, lässt sich von der Massagefunktion des innovative Sitzes alle verspannten Muskeln letzter haarsträubender Meetings lockern und dabei spricht er noch mit Kollegen letzte Details der vertricksten US-GAAPs und vermeidlicher Fallstricke bei der IFRS durch. Eines ökonomischen Spiels, dass er liebt und bis zur kalkulierten Perfektion getrieben hat.
Via Headset im Auto steuert er seine Welt! Ein lautes Wort und die Nummer des Untergebenen wird gewählt, ein spitzer Laut und sein Broker ist informiert zu verkaufen und ein mildes, lächelndes Wort und die Direktverbindung zu seiner geliebten Frau steht. Es ist eine schöne, eine glitzernde Welt voll von Erfolgen und Höhenflügen.
Hart hat er dafür in seiner jungen Zeit geschuftet, noch härter wurde er immer wieder von anderen Begierigen dran genommen. Auf dem Schulhof begann das einst schon und zog sich dann auch in der Mensa seiner Uni weiter. Doch wer hoch hinaus will, muss zielstrebig und skrupellos vorgehen.
Da bleibt keine Zeit für Liebchen A. hier und Liebchen B. dort, oder wars doch die C. – da bleibt auch keine für Party hier und auch Party dort, mag es noch so locken – das einzige was für ihn zählt ist die Arbeit, das Netzwerk und was am Ende in der Bilanz unterm Strich steht. Seine reizende, schöne und vollbusige Buchhalterin kann dass so nur bestätigen ;)
Eine Zahl jagt so die andere – und es dreht sich ihm förmlich im Kopf, wenn ein Aktienkurs eines seiner betreuenden Unternehmen auch nur kurz wackelt. Denn dann sitzt er im Auto- wie jetzt und telefoniert um morgen auch noch telefonieren zu können. Gehörig verschafft er sich Gehör – packt mal dort an und tritt mal fest in den Hintern hier. Sein täglich Brot ist das Fallen von Menschen und das bewusst ökonomisch abgewogene Auffangen von Menschen und Unternehmungen, die ins Straucheln geraten sind oder noch höher bis zu den Sternen hinaus wollen.
Doch auf wessen kosten arbeitet er wirklich – manchmal in schwachen Momenten über einem großen Kelch Wein wünschte er sich ein Schafhirte im Aufschwung und dennoch in einem kleinen Tal zu sein. Ruhe und Frieden zu genießen mit seinem Hund Weber und seinen drei Schafen Arx, Riedmann und Ush. Weiße Wölkchen am Firmament würden ihm die Phantasie beleben, er sähe Aktienkurse, Bilanzen, Geld, Outcome, Geld, Frauen, Macht, Geld, Outcome, Frauen, Macht, Macht, Macht… aufgewacht!
Aufgewacht ist er… mit einem Holpper und einer scharfen, quietschenden Kurve rechts hält er noch so den Wagen auf der Spur. Doch holpperts rechts unten von ihm – er weiß sich nicht zu helfen, bricht das Gespräch ab und hält an. Er hält an! Er öffnet die Tür! Er steigt aus! Ausgestiegen schaut er sich das Desaster an…
Doch an eine Desaster mag er nicht denken. Mehr sieht er die Chance zu…
Sein Blick verschwimmt – mögen es Tränen sein, dass er den Termin nun nicht mehr wahren werden kann – wie auch immer. Er geht – er geht fort vom Auto, fort vom Termin und fort von der Arbeit, die sein Leben für so lange Zeit bestimmt hat.
Einen kleine Pfad, der sich um einen Hain schlängelt geht er langsam und bedächtig hinauf und kommt zur Ruhe. Endlich wirkliche Ruhe, Gelassenheit und Frieden. Wofür manch anderer, beschriebener seine Seele dem Teufel verkaufte – für einen Moment tiefster Gelassenheit.
In einer Heuwiese trifft er plötzlich auf einen blauen, vor sich hin philosophierenden Wirrkopf… doch dass ist eine andere Geschichte und ein ganz andere Philosophie :)
Über Kritik, Feedback und ein Gespräch über nächste Geschichten freue ich mich, danke für Ihre Aufmerksamkeit. Wenn Ihnen etwas schwer bekam, greifen sie doch gleich rechts unten zum Megafon… :)